Von Mieten, Wohnungssuche, Luxussanierung und Szeneviertel

Die heutige Online-Medien-Schau war bezüglich Gentrifizierungsprozesse mal wieder sehr ergiebig:

Die SZ berichtet, dass die SPD-Fraktion in München prüfen lässt, wie der Einflussbereich der gängigen Erhaltungssatzungen in Zukunft vergrößert werden könnte:

„[…] Dass in manchen Fällen die derzeitigen Mittel nicht ausreichen, um die Gentrifizierung und den Aufstieg zu In-Vierteln zu bremsen, glaubt nicht nur die SPD – das haben zuletzt auch immer wieder Einzelfälle gezeigt, etwa in Untergiesing. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung soll darum auf Antrag der SPD jetzt darlegen, ob und wie sich die Erhaltungssatzungen inhaltlich erweitern ließen, um die sozialen Milieus in aufstrebenden Stadtvierteln besser zu schützen. […]“

Ebenfalls um München geht es im Artikel der Frankfurter Rundschau zu Anti-Gentrifizierungsmaßnahmen von BürgerInnen in Giesing:

„[…] Längst geht es nicht mehr vorrangig um Fußball in diesem Münchner Stadtteil. Was die Menschen hier umtreibt ist der grundlegende Veränderungsprozess in ihrem Viertel. Giesing, vor allem das nahe der Isar gelegene Untergiesing, steht kurz davor, zum Szene-Viertel zu werden. Noch schäumt der Latte nicht flächendeckend durch die Straßenzüge, sind Bio-Läden Mangelware, wirkt alles eher verschlafen, so dass es die Münchner B-Prominenz nicht tief hinein ins Quartier zieht. Ein Freizeitpark für Hedonisten sieht anders aus, doch offenbart ein Blick in die Hinterhöfe zumindest stellenweise die einschlägigen Anzeichen einer beginnenden „Aufwertung“, etwa in Form von Werbe-, Event- und Castingagenturen. Aber kann ein bisschen Kreativität denn schaden? […]“

Und schließlich liest man in der ZEIT über einen Selbstversuch, eine 3-Zimmer-Wohnung unter 900 EUR warm im Prenzlauer Berg, Berlin zu finden:

„[…] Um meine aktuelle Wohnung zu mieten, brauchte ich 2005 nur eine Bescheinigung über meine Mietschuldenfreiheit. Heute müssen wir außerdem vorzeigen: Einkommensnachweis, Auskunft der Schufa, manchmal Steuerabrechnungen. Man fühlt sich als Wohnungsbewerber fast wie ein Dschihadist nach der Rückkunft aus dem Terrorlager. Die Schufa-Liste umfasst: Kredit- oder Leasingvertrag mit Betrag und Laufzeit, Eröffnung eines Girokontos, Ausgabe einer Kreditkarte, Einrichtung eines Telekommunikationskontos. Dazu aktuelle und ehemalige Wohnsitze. Geht es für Vermieter darum, pünktlich die Miete zu erhalten oder die Bildung einer Terrorzelle zu verhindern? […]“

 

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