Wenn Bobos zu Kleingeistern werden: Ein Bericht vom Kollwitzmarkt in Berlin

Wochenmarkt- Szenerie: Während die Einen bei einem Café Latte das Geschehen beobachten, genießen die Anderen die Auswahl an frischen, regionalen und eventuell sogar Bio-Produkten. Märkte machen Spaß, Leben auf der Straße/am Platz/im Grätzel findet statt, man trifft sich, man lernt sich kennen. Jeder Stadtbürger sollte in seiner unmittelbaren Umgebung einen Wochenmarkt haben. Und der lokalen Wirtschaft tut es auch gut:

„Die Einzelhändler am Platz sagen mir, dass sie am Markttag bis zu 20 Prozent mehr Umsatz machen. Zwei Drittel meiner Händler leben ausschließlich von den Einkünften des Marktes am Samstag. Da hängen locker 80 Arbeitsplätze daran, die wegfielen, wenn der Markt schließen müsste.“

Tatsächlich? Oder kippt die anfängliche Begeisterung über ein lebendiges Element in der Stadt sehr schnell? Wenn man zB merkt, dass es Samstags Morgens bereits sehr früh sehr laut wird, weil Marktstände aufgebaut werden müssen? Oder weil man nicht mehr zu seiner Eingangstür kommt ohne sich den Weg durch Kinderwägen und Fahrräder zu bahnen?

Die Stimmung kann sehr schnell kippen wie das Beispiel Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg, Berlin zeigt. Während sich Bobos noch über die urbane Bereicherung freuen, stehen andere bereits in Stellung und messen Lautstärkepegel und Markstand-Abstände:

„Die Anwohnerin hat uns genau beobachtet und darauf gewartet, dass wir einen Fehler machen. Jeden Samstag war neben dem Ordnungsamt auch sie unterwegs, hat Fotos gemacht und Abstände vermessen. Andere Märkte werden längst nicht so stark kontrolliert, ob sie auch alle Auflagen einhalten. Natürlich war das für mich ein enormer Stress: Schließlich ging es dabei auch um meine Existenz.“

Schade. Denn in einer Stadt geht es nur miteinander, nicht gegeneinander.

Hier geht es zum Artikel „Am Kollwitzmarkt hängen 80 Arbeitsplätze“ in den Prenzlauer Nachrichten.

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