Die Ambivalenz der Kultur als Element in Gentrification Prozessen

Andrek Holm hat im aktuellen derFreitag einen Beitrag zur ambivalenten Rolle von Kultur in Gentrification Prozessen geschrieben. Ambivalent deswegen, weil Künstler sowohl als aktive Akteure in Stadtentwicklungsprozessen auftreten, sich aber gleichzeitig auch zu „[…] umworbene[…] Akteure[…] eine[r] Creative-City-Politik (Florida 2005) entwickelt haben.[…]“.

Mit einem kurzen Abriss der Aktionen, die im Zusammenhang mit dem Gängeviertel in Hamburg stattfanden, erklärt Holm den Wandel einer Anti-Gentrification und Pro-AktivistInnen hin zu einer Diskussion von Pro-Gentrification und Anti-AktivistInnen:

„[…] Im Sommer 2009 besetzten Künstler/innen einen bereits an einen Investor verkauften Gebäudekomplex im historischen Gängeviertel von Hamburg. Ihr Manifest ‚Not In Our Name’ wurde in der ZEIT abgedruckt (DIE ZEIT 2009) und die Besetzer/innen konnten sich vor Sympathie kaum retten. […]“

[…]

„Ein Jahr später gehören die Zeiten der freundlichen Protestporträts der Vergangenheit an. Nachdem im Sommer diesen Jahres als Fahndungsbilder gestaltete Anti-Gentrification-Plakate mit den Gesichtern der Kurator/innen der 6. Berlin Biennale auftauchten, blies das versammelte Feuilleton der deutschsprachigen Presselandschaft zum Gegenangriff. In der eigentlich seriösen Berliner Zeitung wurden die Biennale-Kritiker in die Nähe von Nazis gerückt (Jähner 2010), der in Wien erscheinende Standard fühlte sich an die Terroristen-Hetze der 1970er erinnert (Rebhandl 2010) und in der Süddeutschen Zeitung war die Rede von einer „Hetzjagd auf die Gentrifizierung“ (Füchtjohann 2010) hätten. Der Versuch, die Kunst als Arena des stadtpolitischen Protestes zu nutzen wurde als Provokation angesehen.[…]“

Worin liegt dieser Wandel begründet? Sind Gängeviertel in Hamburg und Berlin Biennale zwei Paar Stiefel? Holm versucht zu erklären:

„[…] Eine Erklärung könnte in der wachsenden Kooptionspotentialen einer zunehmend kulturalisierten Stadtpolitik zu finden sein.
So steht die Besetzung des Gängeviertels in letzte Konsequenz für die hegemonialen Raumaneignungsstrategien von Kulturschaffenden, die sich die Stadt zur Bühne machen. Die Inbesitznahme des Gängeviertels als Atelier und Ausstellungsort korrespondierte mit der romantischen Figur des bildenden Künstlers und ließ sich so in das Leitbild der ‚Kreativen Stadt’ integrieren. […] Selbst die eindeutigen politischen Statements, sich nicht für die Konzepte einer unternehmerischen Stadtpolitik vereinnahmen zu lassen, schreckten den internationalen Creative-City-Papst Richard Florida nicht davon ab, die Hamburger Konzessionsentscheidung des Rückkaufs als globales Modell für den Umgang mit der kreativen Klasse zu feiern (Spiegel Online 2009).

Ganz anders die Biennale-Kritik in Berlin: Hier wurde das Verhältnis von Stadt und Kultur umgedreht und anonyme Stadtteilaktivist/innen benutzen die Kunstausstellung als Bühne ihres Protestes. Das Provokationspotential der Plakate liegt in der Thematisierung von Kultur als effektivem Schmiermittel der Gentrification.[…]“

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